Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Lack, Lackaufbau, Metallbearbeitung, Galvanik, Holraumkonservierung

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Schmiermax
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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Schmiermax » Do 4. Okt 2018, 18:03

Goldeneye hat geschrieben:Nach einer Gesamtfahrleistung von schwindelerregenden 369 Km sehen meine hinteren Bremscheiben an einigen Stellen wie folgt aus:

Bild
Bild

Auf den Fotos sind verschiedene Rostarten zu sehen.

Der zwischen Rad und Bremsscheibe sichtbare Rost besteht wohl größtenteils aus Rostrückständen von der Rostsuppe, welche aus Abriebspartikeln von Bremsbelägen und Scheiben besteht, evtl. auch noch von rostenden Oberflächen innen an der Nabe stammt.
Das könnte man im weiteren Sinne als "Flugrost" bezeichnen.

Der Rost an der Fase des Bremsscheibentopfes kommt von diesem selbst, und resultiert aus der dortig relativ geringen Dicke der Beschichtung, welche an der Kante evtl. auch noch mechanisch abgewetzt wurde. Ein bisserl "Flugrost" (so wie der am Fugenspalt des Radflansches) könnte sich auch noch abgelagert haben.

In den Bremsscheibennuten ist eine Kombination aus dem "Flugrost" und normalem Rost, der an den Kanten relativ ungestört wachsen kann.

In bzw. auf der Reibfläche sind unzählige winzige Rostpunkte, die auf feuchten Bremsscheiben nach sehr kurzer Zeit wachsen. Wenn diese nie weggebremst werden kann sich langfristig der Rost tiefer einnisten.
Schöne Grüße,

der Schmiermax

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Goldeneye
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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Goldeneye » Fr 5. Okt 2018, 22:20

Schmiermax hat geschrieben:...., welche an der Kante evtl. auch noch mechanisch abgewetzt wurde.

In der Tat, so sieht das optisch aus. Wobei ich mich frage, ob am Ende ich selbst es war, der durch die Reinigung mit weichem Schwamm in diesem Bereich den Abtrag der schützenden Oberfläche gefördert hat. Kann ich mir aber auch nicht richtig vorstellen, da ich ja bei den drei sanften Wäschen, die der Wagen bisher genossen hat, nicht auf der Kante regelrecht herumgeschmirgelt habe. Für mich sieht es eher nach einem Materialfehler aus, sofern ich der einzige mit diesem Problem sein sollte.

LG Goldeneye

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Roadster » Sa 6. Okt 2018, 08:45

Hallo,

bei meinen diversen älteren Porsche die ich so hatte, habe ich die Töpfe der Bremsscheiben immer mit Zinkspray lackiert, das hat sehr gut und lange den Rost ferngehalten. An den Kanten ruhig etwas dicker, die Auflagefläche der Felge nur sehr dünn, den aktiven Teil der Scheibe - versteht sich von selbst - natürlich nicht.

Ich mache gleich evtl. mal ein Bild von einem Beispiel wo die Scheibe seit etwa 7 Jahren und 15Tkm drauf ist.

Gruß
Torsten

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Roadster » Sa 6. Okt 2018, 08:51

wenn man es nicht sofort macht, dann wirds nichts, daher war ich gerade in der Garage ....

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Goldeneye » Sa 6. Okt 2018, 15:22

Vielen Dank, Torsten, für Deine Mühe und den Tip! Sieben Jahre ist schon erstaunlich.

Der Zinkspray muß bestimmt irgendwie temperaturbeständig sein, oder? Gibt es da verschiedene Farben? Ich hätte natürlich gerne, daß alles so original wie halt möglich aussieht.

Und zum konkreten Auftrag: Schleifst Du nur die korrodierten Stellen ab (womit? Von Hand mit Schleifpapier oder mit einer Maschine?) oder muß die Beschichtung überall runter vor dem Einsprühen?

Insgesamt entnehme ich dem, daß diese Korrosionserscheinungen offenbar auch bei anderen Herstellern auftreten?

LG Goldeneye

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Roadster » Sa 6. Okt 2018, 17:52

Goldeneye hat geschrieben:Vielen Dank, Torsten, für Deine Mühe und den Tip! Sieben Jahre ist schon erstaunlich.

Der Zinkspray muß bestimmt irgendwie temperaturbeständig sein, oder? Gibt es da verschiedene Farben? Ich hätte natürlich gerne, daß alles so original wie halt möglich aussieht.

Und zum konkreten Auftrag: Schleifst Du nur die korrodierten Stellen ab (womit? Von Hand mit Schleifpapier oder mit einer Maschine?) oder muß die Beschichtung überall runter vor dem Einsprühen?

Insgesamt entnehme ich dem, daß diese Korrosionserscheinungen offenbar auch bei anderen Herstellern auftreten?

LG Goldeneye


Hallo,

das Zinkspray ist temperaturbeständig, für den Bremsscheibentopf völlig ausreichend (fahre ich sogar auf dem GT3, den ich gelegentlich auf Trackdays nutze).
Ich habe bisher immer direkt neue Scheiben lackiert, leichtes anschleifen reicht aus.
Die Brembo-Scheiben (die AM verbaut) sind UV-Lack beschichtet, das ist sehr dünn, soll aber angeblich der beste Korrosionsschutz sein - augenscheinlich stimmt das wohl nicht .....

In Deinem konkreten Fall würde ich die rostigen Stellen wegschleifen und dann Zinkspray auftragen, man muss natürlich mit der Optik vom Zinkspray einverstanden sein, es sieht aus wie eine matte Grundierung (was es ja prinzipiell auch ist).
Es ist kein schöner Metallischer Silberton wie die Uv Lack Beschichtung von Brembo (bzw. von deren Zulieferern ....)

Gruß
Torsten

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Bernginger » Mo 8. Okt 2018, 23:57

Roadster hat geschrieben:Hallo,

das Zinkspray ist temperaturbeständig, für den Bremsscheibentopf völlig ausreichend (fahre ich sogar auf dem GT3, den ich gelegentlich auf Trackdays nutze).
Ich habe bisher immer direkt neue Scheiben lackiert, leichtes anschleifen reicht aus.
Die Brembo-Scheiben (die AM verbaut) sind UV-Lack beschichtet, das ist sehr dünn, soll aber angeblich der beste Korrosionsschutz sein - augenscheinlich stimmt das wohl nicht .....

In Deinem konkreten Fall würde ich die rostigen Stellen wegschleifen und dann Zinkspray auftragen, man muss natürlich mit der Optik vom Zinkspray einverstanden sein, es sieht aus wie eine matte Grundierung (was es ja prinzipiell auch ist).
Es ist kein schöner Metallischer Silberton wie die Uv Lack Beschichtung von Brembo (bzw. von deren Zulieferern ....)

Gruß
Torsten



Fast alles was Autofirmen so von sich geben sind Marketing Sprüche, soll heißen eine geringere Leitung als Vorteil zu verkaufen.
Temperaturbeständig ist schon mal gut, das Metall sollte man allerdings gut warm machen damit de Farbe besser hält.

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Schmiermax » Do 11. Okt 2018, 17:29

Goldeneye hat geschrieben:
Schmiermax hat geschrieben:...., welche an der Kante evtl. auch noch mechanisch abgewetzt wurde.

In der Tat, so sieht das optisch aus. Wobei ich mich frage, ob am Ende ich selbst es war, der durch die Reinigung mit weichem Schwamm in diesem Bereich den Abtrag der schützenden Oberfläche gefördert hat. Kann ich mir aber auch nicht richtig vorstellen, da ich ja bei den drei sanften Wäschen, die der Wagen bisher genossen hat, nicht auf der Kante regelrecht herumgeschmirgelt habe. Für mich sieht es eher nach einem Materialfehler aus, sofern ich der einzige mit diesem Problem sein sollte.

LG Goldeneye


Nein, mit einem weichen Schwamm kann man die Beschichtung nicht beschädigen. Ausser im Schwamm ist Sand oder so.

Materialfehler kann man auch nicht sagen da dass Beschichtungsmaterial selbst keinen Fehler hat sondern nur an der Stelle etwas dünn aufgetragen wurde. Und das nicht wegen eines Produktionsfehlers, sondern weil Autohersteller die Bremsscheibe als Verschleißteil ansehen, es in der Produktion nur ein bisserl mit "Lack" anblasen bzw. anblasen lassen damit sie nicht sofort vollflächig rosten. Ein entsprechend robuste und dauerhafte Beschichtung der Bremsscheiben ist technisch schwierig, auch weil die Beschichtung das Teil nicht komplett umschließen kann sondern immer offene Abschlüsse zu den Reibflächen, dem Radflansch etc. bestehen. Dazu kommt die mechanische und thermische Beanspruchung.

Es kommt auch drauf an was der Autohersteller für ein Beschichtungsmaterial wählt. Es gibt hochwertige Beschichtungen wie Zink- und / oder Aluminiumlamellenbeschichtungen (z. B. Geomet, Dacromet etc.) sowie billige Lacke. Nachträgliche Beschichtung mit Zinkspray ist hochwertiger als billige Lacke, aber minderwertiger als o. g. hochwertige Beschichtungen. Viel haltbarer als Zinkspray wäre wiederum die Beschichtung mit entsprechenden 2K Korrosionsschutzlacken.

Hohe Anforderungen an die Hitzebeständigkeit gibt es nur in den Kühlkanälen der Reibringe sowie am Topf in den Bereichen nahe den Reibringen.

Wichtig ist vor allem, dass auf dem Radflansch außen und dem Radnabenflansch innen grundsätzlich kein Beschichtungsmaterial aufgebracht werden darf. Dies könnte die Verbindung vom Rad zur Nabe beeinträchtigen.

Auf die Reibflächen soll natürlich auch kein Lack, aber da ist es nicht so schlimm wenn ein paar Schmierer drin sind. Bei den ersten Bremsungen muss man mit einer geringeren Wirkung rechnen, aber dann ist das Zeug ruck zuck weggebremst. Nur wenn mal alles lackiert wie auf dem Foto wirds richtig gefährlich.Bild
Schöne Grüße,

der Schmiermax

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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Goldeneye » Sa 13. Okt 2018, 07:19

Vielen Dank für die Ausführungen!

Ich werde jetzt mal abwarten, wie sich der leichte Kantenrost (nächstes Jahr) so weiter entwickelt und wenn es dann irgendwann wirklich unansehnlich sein wird, mal mit einem Lackierer sprechen, was man - bei meiner geringen Beanspruchung - als Kompromiß aus Optik einerseits und Haltbarkeit andererseites an Lack/Spray auftragen könnte.

LG Goldeneye



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Re: Korrosionsschutz für Unterboden und Fahrgestellteile

Beitragvon Schmiermax » So 11. Nov 2018, 17:18

Eine einfache Sache wäre die Anwendung von Wachs-Konservierungssprays, und weil dazu viele Pseudoexperten gleich schreien, in Panik geraten und blutigste Unfälle durch Bremsenversagen prognostizieren kann man spezielles Bremsscheibenkoservierungsspray verwenden. Die wurden v. a. für Autohändler entwickelt, um die Bremsscheiben ihrer Standuhren auf dem Aussenplatz halbwegs schön zu halten.

Hier ist so ein Spray, nur als Beispiel, ist keine spezielle Empfehlung. Es gibt mehrere Hersteller und Anbieter.

https://www.foerch.de/werkstattchemie/f ... spray-p321
Schöne Grüße,

der Schmiermax


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